Jetzt einmal auch etwas fuer unser Politikfreunde, ein kleiner Exkurs in australische Politik! Ich werde mir Muehe geben, nicht ganz so parteiisch zu sein, kann aber nicht garantieren, dass es klappt...
Erst einmal zur Wahl. Die findet hier sogar alle drei Jahre statt, also muessen die Politiker hier auch ein bisschen schneller sein, um ihre Sachen im Parlament durchzubringen. Waehlen zaehlt hier uebrigens zur Buergerpflicht! Wer nicht waehlt, muss ca. 20$ Strafe zahlen, kein Wunder, dass die Wahlbeteiligung hier bei ueber 90% liegt.
Oberhaupt des Staates ist nach wie vor die Queen (auch wenn sie nicht wirklich was zu sagen hat), die repraesentiert wird von einem Governor General (die jetztige erinnert mich ein wenig an Gesine Schwan), die hat im Grunde genommen weniger zu tun als Horst Koehler, aber hat rein theoretisch die Macht, den Prime Minister abzusetzen, wenn es ihr gefaellt. Ist sogar einmal in den 80igern passiert, gab einen riesigen Aufstand.
Jetzt zu den beiden grossen Parteien (seltsamerweise gibt es ueberall zwei grosse Parteien, nicht drei oder vier...), die Liberal Party (hat nichts mit der FDP zu tun, wirklich nicht!) und die Labor Party. Es gibt noch mehrere kleine, wie die Greens (Gruene, muss ich glaube ich nicht beschreiben^^), die Nationals und Family First (ein bisschen CSU-maessig). Im Moment regiert die Labor Party mit Kevin Rudd (unser Dozent nennt ihn liebevoll "Harry Potter im Alter von 50"), davor waren die Liberals dran, 11 Jahre lang mit John Howard.
Ja, ueber den habe ich meine letzte Hausarbeit geschrieben, und wenn man die meisten Australier ueber ihn reden hoert, dann sind es meistens die ganzen negativen Sachen, kann ja mal ein paar aufzaehlen:
1) George Bush's best friend
2) wegen 1): Australien war sofort beim Irakkrieg dabei, auch wenn es nur eine laecherlich kleine Summe an Soldaten beigesteuert hat (so um die 1000)
3) wegen 1): Klimawandel gibts nicht, und weil die USA das Kyoto Protokoll nicht unterschreibt, macht Australien das auch nicht
4) Das Thema "illegale Asylanten" - abgesehen davon, dass es nicht wirklich illegal ist, sich um Asyl zu bewerben - wurde ein Boot mit Asylbewerbern versenkt, angeblich, weil die Leute an Bord gedroht haben, ihre Kinder ueber Bord zu werfen (was sich spaeter als Luege rausstellte)
5) Die "Stolen Generation": Dazu werde ich bald nochmal etwas schreiben, aber ihr koennt ja mal bei wikipedia gucken, bzw. euch den Film "Rabbit Proof Fence" ansehen. Auf jeden Fall wurden in den 20gern bis 60gern Aboriginee Kinder von ihren Eltern weggenommen und in Weisenhaeuser gesteckt, um sie "weiss" zu erziehen; als das in den 90gern an die Oeffentlichkeit kam, war Howard's Kommentar jedenfalls, dass das zwar bedauerlich war, aber "nicht unsere Schuld" waere - deshalb braucht man sich auch im Nachhinein nicht zu entschuldigen
Mir wuerde bestimmt spontan noch mehr einfallen, aber das waren glaube ich die kritischsten Punkte. Jedenfalls war Kevin Rudd erst einmal damit beschaeftigt, die ganzen Sachen seines Vorgaegers bzu berichtigen, wie z.B. das Kzyoto Protokoll zu unterschreiben, sich bei den Aboriginees zu entschuldigen und die Soladten aus dem Irak abzuziehen. Im Moment versuchen die Labors auch das Gesundheits- und Bildungssystem zu ueberholen, aber ob das so klappt, wird sich noch rausstellen. Jedenfalls ist es die Frage, ob es so sinnvoll ist eine ganze Bibliothek fuer eine Schule zu bauen, die nur einen Schueler hat. Naja.
Ich koennte jetzt nochmal was ueber die Partei "One Nation" erzaehlen (die es zum Glueck nicht mehr gibt!), die war jedenfalls so um 2000 hier ziemlich aktiv, als ihre Gruenderin Pauline Hanson ihre Ansprache im Parlament hielt, dass sie befuerchtet, dass Australien von Asiaten ueberschwemmt wird, und das man das mal stoppen muesste. Gluecklicherweise hat sie niemand ganz ernst genommen, denn sie hatte vorher in einem Fish-and-Chips-Shop gearbeitet und auf die Frage, ob sie xenophobisch sei, musste sie erst mal nach der Bedeutung des Wortes nachfragen. Gluecklicherweise ist die Partei ziemlich schnell bankrott gegangen und die meisten Leute scheinen intelligent genug zu sein, sie nicht zu waehlen.
Ok, ich hoere jetzt mal besser auf, will euch nicht mit den Details langweilen, aber nur damit ihr eine kleine Vorstellung davon habt, was hier so diskutiert wird. Das Parlament ist hier uebrigens sehr chaotisch, muesst euch mal Ansprachen auf youtube ansehen, da laesst niemand den anderen ausreden!
Also, viel Spass morgen beim Waehlen!
Freitag, 25. September 2009
Sonntag, 20. September 2009
Ein bisschen Natur
Nein, ich war nicht im "Busch", dieser Park befindet sich direkt vor meiner Haustür :)! Da es in der letzten Zeit sogar einigermaßen geregnet hat, ist das Gras sogar grün und im "creek" befindet sich mehr Wasser als sonst. Hoffe mal, das bleibt auch so, aber nach ca. 8 Jahren Dürre glaube ich da nicht so wirklich dran - im Sommer sieht es wohl wahrscheinlich nicht mehr so schön aus...
Dienstag, 15. September 2009
Das ist die perfekte Welle...
Hallo,
ich weiß, hab schon einige Zeit nichts mehr von mir hören lassen. Liegt leider daran, dass ich mich immer noch von Hausarbeit zu Hausarbeit bewege :(. Aber manchmal braucht man auch eine Pause vom Lernen! Deshalb bin ich letztes Wochenende mal weg vom Schreibtisch, der Bibliothek und noch viel wichtiger, weg von meinem Laptop und bin auf eine einsame Insel zum entspannen gefahren...
Nein, so einsam ist Phillip Island nicht, aber man hat auf jeden Fall das Gefühl, mitten auf dem Land zu sein - heißt, nicht in Melbourne (alles außerhalb von Melbourne kann man in Victoria ruhig als "Country" bezeichnen, die anderen "Städte" sind wahrscheinlich nicht größer als Osterholz-Scharmbeck).
Phillip Island befindet sich ca. 2 Stunden von dort wo ich wohne entfernt, also schon ziemlich nahe dran, wie ihr auf der Karte sehen könnt:
Ich wohne übrigens in Dandenong North, also schon eher am Stadtrand, sieht man auch auf der Karte :). Alles, was der Bus machen muss, ist der schönen gelben Linie bis nach Sunderland Bay zu folgen und dann über die Brücke, und dann ist man auch schon da!Natürlich sind wir nicht nur nach Phillip Island gefahren, um den tristen Vororten zu entfliehen und am Strand zu liegen, nein, den Großteil des Wochenendes haben wir mit meiner neuen Lieblingssportart verbracht: Surfen!!! Ja, ich habe gelernt, wie man surft! Oder wie man es machen sollte ;). Leider habe ich noch keine Fotos davon, weil wir unsere Kameras nicht mit zum Strand nehmen sollten, aber ich hoffe, dass ich noch bald unser Gruppenfoto (wahrscheinlich auf facebook) finde.
Surfen ist im Grunde genommen gar nicht so schwer, wie es aussieht. Wenn man sich erst einmal auf dem Surfboard befindet und von einer tollen Welle mitgerissen wird, ist das draufbleiben oder versuchen, drauf zu stehen, nicht so schwer. Aber bis man da erst mal hinkommt... Erst einmal muss man sein Surfboard gegen die Flut möglichst weit vom Strand wegschleppen. Das ist ziemlich anstrengend, weil ständig Wellen kommen, die einen wieder ein Stückchen Richtung Strand schwemmen und weil es auch noch die tückische Strömung gibt, die versucht einen von dem markierten sicheren Bereich weg in Richtung Riffs zu schwemmen. Wenn man weit genug draußen ist, muss man natürlich noch "die perfekte Welle" finden - wie die aussieht, habe ich immer noch nicht ganz verstanden, meistens stellt man fest, dass die Welle "schlecht" war, wenn sie einem gerade mal fünf Meter weit trägt :(. Mein Trick war später, darauf zu achten, wann die anderen ihr Surfboard Richtung Strand drehen, dann schnell auf das Surfboard legen und anfangen zu paddeln. Man muss dann schon ziemlich schnell sein, man will ja nicht, dass einen die Welle erwischt, bevor man sich in Position gebracht hat und vernünftig festhält, sonst war die ganze Mühe umsonst. Wenn man das dann aber geschafft hat und von der Welle mitgerissen wird, ist das schon ein ziemlich tolles Gefühl; man bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit auf den Strand zu, ohne dass man irgendwas machen muss und hat genug Zeit, zu versuchen, aufzustehen und die Balance zu halten. Habe ich sogar ein paar Mal geschafft!
Man merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht, auf einmal war man drei bis vier Stunden im Wasser und erst wenn man rauskommt, werkt man, wie erschöpft man vom ganzen gegen die Wellen ankämpfen ist. Habe heute sogar immer noch ein wenig Muskelkater...
Hier sieht man übrigens ein paar Surfer im Meer (ich bin leider nicht dabei!):
Diese niedlichen Wallabies (kleine känguruhähnliche Tiere) wohnen hinter unserer Jugendherberge, auf dem ersten Bild hat es sich gut versteckt - wer findet es?
Als Besucher kann man abends beobachten, wie sie vom Meer zum Strand watscheln, ein unglaubliches Schauspiel. Wie Surfer werden sie einfach von den Wellen angeschwemmt, dann warten sie aufeinander und watscheln dann in großen Gruppen zum Strand, wo sich ihre kleinen Höhlen befinden.
Nach so einem langen Samstag gab es natürlich auch Zeit zum entspannen, und zwar am Lagerfeuer (leider ohne Stockbrot^^, dafür mit Bier). Die Jungs haben natürlich nicht auf uns Mädels gehört (weil sie auch soviel schlauer sind und alles besser wissen) und haben es am Ende fast geschafft, das Feuer zu ersticken, weil sie immer mehr Holz drauf geworfen haben.Das war's also von meinem aufregenden Wochenende, hat ziemlich viel Spaß gemacht! Jetzt ist es aber mit der Entspannung vorbei, denn ich muss mit meiner nächsten Hausarbeit anfangen :(.
Freitag, 4. September 2009
Footy vs. Fußball
So, jetzt mal etwas für die Sportbegeisterten unter euch! Kommen wir also zum australischen Nationalsport, Australian Rules Football. Nein, hat nichts mit American Football oder Rugby zu tun (außer dass ein Ball drin vorkommt, der nicht rund sondern eher oval ist). Australian Football, oder im Volksmund auch liebevoll "Footy" genannt besteht natürlich aus zwei Mannschaften, die einem Ball hinterher hetzen und versuchen, Tore zu schießen. Den Ball kann man werfen oder schießen (dann muss der Pass aber länger als 15m sein, so habe ich das jedenfalls verstanden), wie man den Ball bekommt ist dabei egal - es kommt also regelmäßig vor, dass sich Spieler sprichwörtlich um den Ball schlagen:

Kontra:
So etwas wie "rote Karten" gibt es hier übrigens nicht ;).
Ziel des Spiels ist es natürlich, möglichst viele Tore zu schießen, da es davon allerdings drei Stück pro Team gibt, ist es natürlich nicht egal, in welches Tor man schießt. Das in der Mitte gibt jedenfalls die meisten Punkte, sechs um genau zu sein, und wird einfach kreativerweise "goal" genannt. Bei den beiden äußeren gibt es nur "points", also einen Punkt.
Ja, alles ziemlich simpel, das habe ich sogar alleine vom Zugucken verstanden :). Lest die komplizierteren Regeln lieber selbst nach!
Aber was ist nun besser? Footy oder klassischer deutscher Fußball? Ich habe mir mal sowohl ein Football-Match als auch ein Soccer-Match (=amerikan./austral. Englisch für Fußball, damit man nichts verwechselt ;)) im selben Stadion angeschaut und mal verglichen:
Football:
Pro:
- Spieler sind hart im Nehmen und täuschen keine Verletzungen vor, und seltsamerweise verletzten sie sich sogar weniger als Fußballspieler, obwohl es härter zugeht...
- Da viele Tore fallen, kann man auch mehr jubeln
- Der Großteil der Clubs kommt aus Melbourne, also hat man jede Woche Gelegenheit ins Stadion zu gehen ohne die Stadt verlassen zu müssen
- Tolle Plakate, die von Fans gestaltet wurden, durch die die Spieler vor dem Match durchlaufen, so wie dieses hier zum Beispiel:
Kontra:
- Zuviele Spieler, dass man sich die Namen merken könnte (ich hab 17 pro Team gezählt)
- Teams-Songs erinnern einen eher an Shanty-Chor-Musik - kein Wunder, dass keiner mitsingt...
- Laolas oder Fangesänge sind anscheinend nicht so üblich, jedenfalls nicht dass es mir aufgefallen wäre.
- So viele Tore machen die einzelnen Tore natürlich unbedeutend
- Es gibt natürlich keine WM oder so...
Fußball:
Pro:
- Fans sind eindeutig euphorischer
- Bei einem Tor wird mehr gejubelt
- Ist internationaler mit EM, WM, Champion's League etc.
- Spieler werden vom Platz geschickt, wenn sie jemanden bewusstlos schlagen
- ich versteh die meisten Regeln :)
Kontra:
- kann passieren, das während einem Spiel NICHTS passiert und man sein Geld verschwendet hat
- Fans neigen meiner Vermutung nach zu mehr Gewalt untereinander (nicht in Australien, aber in Deutschland definitiv)
So, das war's mit meinem kleinen Exkurs!
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